Willkommen in der siebten Kalenderwoche! Die nächsten acht Wochen geht es darum, was wir uns aus dem Design Thinking abschauen können, um unsere eigenen Ziele zu erreichen. Wir starten mit dem Double Diamond. Was das ist und warum der in der Schule eher schlecht ankommen würde, erfahrt Ihr in diesem Beitrag.

Für viele Menschen, die das erste Mal etwas von Design Thinking hören, klingt vieles daraus irgendwie schrill, verrückt oder zumindest einmal unkonventionell. Das hängt meist mit den Kreativ-Techniken zusammen, die in dem Design Thinking Prozess zum Einsatz kommen. In der Tat sind diese für Neulinge erst einmal ungewöhnlich. Es ist daher auch kein Wunder, dass wir diese Techniken am ehesten mit Design Thinking in Verbindung bringen. Die eigentliche Stärke des Design Thinking liegt jedoch in einem ganz anderen Teil: der Problemphase.

Probleme wirklich verstehen

Im Design Thinking versuchen wir zuerst einmal, das Ausgangsproblem wirklich zu verstehen. Häufig ist das Problem eher ungenau oder die Frage dahinter viel zu breit gestellt. Um auf die Fragestellung zu kommen, die innerhalb des Prozesses beantwortet werden soll, gibt es drei Schritte:

  1. Verstehen: Wir wollen das (Ausgangs-)Problem, seine Hintergründe und seine Auswirkungen genau verstehen.
  2. Entdecken: Wir beobachten die Auswirkungen des Problems live oder versuchen sogar, sie selbst zu erleben. Ziel ist es, Neues zu entdecken, das wir vielleicht noch nicht verstanden haben.
  3. Entscheiden: Wir entscheiden, welches der vielen Unterprobleme oder welche der vielen Herausforderungen, die wir bislang identifizieren konnten, wir konkret lösen wollen.

Das heißt, am Anfang haben wir das Problemfeld erst einmal ganz weit aufgemacht, um zu verstehen, worum es eigentlich geht. Und anschließend haben wir uns für eine explizite Fragestellung entschieden. Das ist der erste Diamant des Double Diamond. Diamant deswegen, weil der Problemraum erst auf und dann wieder zu geht.

Diamond

Mit kreativen Selbstbewusstsein Lösungen suchen

Wenn die Fragestellung klar definiert ist (am besten als How might we Frage), können wir uns an die Lösung machen. Auch hier gibt es wieder drei Schritte:

  1. Ideation: Ideen entwicklen, kreative Lösungen erarbeiten.
  2. Prototype: Einen Prototypen bauen, mit dem wir den Lösungsansatz schnell testen können.
  3. Test: Mit dem Prototypen auf Kunden zugehen und ihn direkt testen.

Auch hier machen wir am Anfang den Raum der Möglichkeiten so weit auf, wie unser Verstand es zulässt und suchen dann die Favoriten raus, bis wir am Ende genau einenPrototypen erstellt haben. Dafür braucht es ein gesundes Selbstbewusstsein für die eigenen, kreativen Fähigkeiten, die jeder, wirklich jeder Mensch in sich trägt. Wir haben nur leider sehr schnell erzählt bekommen, wir seien nicht kreativ. Und am Ende glauben wir das leider viel zu häufig.

Double Diamond, Bikini oder Breath of Innovation

Dieses zweifache Öffnen und Schließen des Raums der Möglichkeiten wird beim Design Thinking Double Diamond genannt. Es gibt auch noch andere Spitznamen, wie Bikini oder Breath of Innovation. Dazu habe ich ein Interview mit Frida Futura gemacht, dass man hiersehen kann. In dem Interview geht es zwar um die Design Sprints, die erst später im Jahr dran sind, aber wir sprechen auch über den Double Diamond und wie man Menschen in den kreativen Prozess holt.

Was kann ich davon nutzen?

Design Thinking ist für nicht triviale Probleme gedacht (im Fachjargon spricht man von wicked problems, also bösartigen oder verhexten Problemen). Zu dieser Gruppe von Problemen zählen unsere guten Vorsätze manchmal auch. Daher könnte der Ansatz für uns nützlich sein. Die größte Stärke des Design Thinkings liegt darin, dass der Prozess erst einmal auf das Problem geht und das Problem ganz genau verstehen will. Vielleicht liegt ja hier für Dich der größte Nutzen? Wenn Du ein Ziel hast, mit dem Du einfach nicht vorankommst, schau mal genau nach, was das eigentlich Problem ist, das Du zu lösen versuchst. Hast Du das Problem eigentlich verstanden?

In den kommenden drei Wochen schauen wir uns dazu noch ein paar Techniken an, die im Design Thinking gerne und häufig eingesetzt werden. Aber schon heute kannst Du versuchen, das zugrundeliegende Problem besser zu verstehen.

Warum das nichts für die Schule ist

So erfolgreich Design Thinking auch ist, in der Schule oder im Studium lernen wir in der Regel etwas anderes. Da geht es ums Auswendiglernen. Wir müssen so schnell wie möglich die richtige Antwort geben können. Was ja grundsätzlich auch ganz gut ist. Das passt in einer Welt, in der es die eine Wahrheit oder die eine richtige Antwort gibt. Es ist bloß so, dass es solch eine Welt noch nie gegeben hat und wir heute in einer VUCA Welt stehen, in der es erst recht keine eindeutigen Antworten gibt. Daher sollten wir auch hier einmal überlegen, ob die Fähigkeit, Dinge auswendig zu lernen, wirklich noch zu einer Schlüsselkompetenz für unsere Schüler, Studenten und Mitarbeiter zählt. Gleichzeitig erklärt es auch, warum wir uns so schwer damit tun.

Alles nichts Neues

Albert Einstein über Probleme

Bis sich Design Thinking in der Breite durchsetzt, braucht es wahrscheinlich noch ein wenig länger, als es eh schon gebraucht hat. Schließlich ist das alles nicht unbedingt neu. Design Thinking wurde in den 2000er Jahren vom Hasso Plattner Institut und der Stanford University berühmt gemacht. Bereits in den 90er Jahren hatte die Beratung IDEO aus Kalifornien sehr erfolgreich so gearbeitet und die Wurzeln reichen bis in die 1950/60er Jahre zurück. Selbst Einstein wird der Satz nachgesagt:

If I had an hour to solve a problem and my life depended on the solution, I would spend the first 55 minutes determining the proper question to ask, for once I know the proper question I could solve the problem in less than five minutes.

Erstaunlich, dass es dann doch so lange dauert, obwohl selbst Einstein das schon wusste.

Auf geht’s

Suche Dir einen Deiner Vorsätze / eines Deiner Ziele raus, das Dir Schwierigkeiten macht und versuche erst einmal das Problem genauer zu verstehen, bevor Du in den Lösungsmodus gehst. Viel Spaß dabei!

Bonus

Im Mai letzten Jahres habe ich mit Frida Futura über den Double Diamond gesprochen. Ein Interview, in dem wir den Design Sprint beleuchten. Um den Design Sprint wird es zwar erst im Sommer gehen, aber ein Blick vorab lohnt sich unbedingt.

Aufgenommen haben wir das Gespräch in den Fincalabs auf Ibiza. Wer sich dafür interessiert: es sind noch Plätze frei. Alle Infos unter: www.fincalabs.com